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Ernährungswissenschaft

Ernährung bei Erkrankungen

Was zu Gicht, Diabetes, Herz und Nieren belegt ist — und was trotz Verbreitung nicht trägt.

Was diese Seite ist und was nicht

Das ist Information, keine Beratung und keine Therapie. Ernährungsberatung im Krankheitskontext ist in Österreich Diätologinnen, Diätologen sowie Ärztinnen und Ärzten vorbehalten. Diese Seite ersetzt keine Abklärung.

Keine Mengenangaben, keine Pläne, keine Dosierungen. Wer eine bestehende Erkrankung hat oder Medikamente nimmt, verändert die Ernährung nicht ohne Rücksprache — bei Diabetes und Nierenerkrankungen kann das unmittelbar Folgen haben.

Jeder Abschnitt enthält einen Block „Was dagegen spricht". Der steht dort, weil eine Seite, die nur bestätigt, was ohnehin die eigene Richtung stützt, nichts wert ist.

Übersicht

Themen

7 Bereiche

Gicht und Harnsäure

gut belegt
Worum es geht

Gicht entsteht, wenn Harnsäure im Blut über die Löslichkeitsgrenze steigt und Kristalle in Gelenken ablagert. Harnsäure ist das Abbauprodukt von Purinen.

Was belegt ist

Purine aus Fleisch, Innereien und Fisch erhöhen das Gichtrisiko deutlich. Bemerkenswert ist, dass purinreiche pflanzliche Lebensmittel — Hülsenfrüchte, Spinat, Pilze — in großen Kohortenstudien das Risiko nicht in vergleichbarer Weise erhöhen. Alkohol, besonders Bier, und fruktosereiche Getränke sind eigenständige Risikofaktoren.

Was dagegen spricht

Milchprodukte senken das Gichtrisiko in Studien messbar. Wer rein pflanzlich isst, verliert diesen Faktor. Und eine Auswertung aus der EPIC-Oxford-Kohorte fand bei Veganern höhere Harnsäurewerte als bei Fleischessern — die niedrigsten hatten Vegetarier mit Milchprodukten. Ob daraus ein erhöhtes Gichtrisiko folgt, ist damit nicht belegt, aber der Befund gehört genannt. Kompensiert wird der Wegfall der Milchprodukte durch den Wegfall der tierischen Purinquellen, der in der Regel stärker wiegt.

Praktisch

Ausreichend trinken, Alkohol und gezuckerte Getränke begrenzen, Gewicht im Blick behalten. Hülsenfrüchte müssen nicht gemieden werden. Bei bestehender Gicht gehört die Ernährung mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt abgestimmt — Medikamente sind meist der wirksamere Hebel.

Diabetes Typ 2

gut belegt
Worum es geht

Gestörte Insulinwirkung, die zu erhöhtem Blutzucker führt. Ernährung ist einer der wichtigsten beeinflussbaren Faktoren.

Was belegt ist

Pflanzenbetonte Ernährungsmuster mit Vollkorn, Hülsenfrüchten, Nüssen und Gemüse sind in großen Studien mit deutlich niedrigerem Erkrankungsrisiko verbunden. Auch bei bestehender Erkrankung zeigen sich Verbesserungen bei Blutzuckerwerten und Insulinbedarf.

Was dagegen spricht

Pflanzlich allein sagt nichts. Weißmehl, Zucker, Fruchtsäfte und stark verarbeitete Erzeugnisse sind ebenfalls pflanzlich und wirken gegenteilig. In Auswertungen, die zwischen gesundem und ungesundem pflanzlichen Muster unterscheiden, kehrt sich der Effekt beim ungesunden Muster um.

Praktisch

Entscheidend sind Ballaststoffe, Verarbeitungsgrad und Gesamtenergie — nicht das Etikett pflanzlich. Bei medikamentöser Behandlung darf die Ernährung nicht ohne ärztliche Abstimmung stark verändert werden, weil sich der Insulinbedarf ändert.

Herz und Gefäße

gut belegt
Worum es geht

Blutfette, Blutdruck und Gefäßgesundheit reagieren auf die Ernährung.

Was belegt ist

Pflanzenbetonte Ernährung senkt LDL-Cholesterin und Blutdruck. Der Zusammenhang mit niedrigerem Risiko für koronare Herzkrankheit ist gut untersucht. Ballaststoffe, ungesättigte Fettsäuren und der Wegfall gesättigter tierischer Fette wirken zusammen.

Was dagegen spricht

Eine große britische Kohortenstudie fand bei Vegetarierinnen und Vegetariern zwar weniger koronare Ereignisse, aber ein leicht erhöhtes Risiko für Schlaganfälle, insbesondere hämorrhagische. Die Ursache ist nicht abschließend geklärt — diskutiert werden niedrigere B12-, Vitamin-D- und Cholesterinwerte. Das ist ein Einzelbefund, aber ein methodisch solider, und er gehört genannt.

Praktisch

Gute Versorgung mit B12 und Vitamin D, ausreichend Omega-3, nicht zu niedrige Gesamtenergie. Blutwerte regelmäßig kontrollieren lassen.

Basische Ernährung

schwach belegt
Worum es geht

Die Grundthese lautet, der Körper übersäuere durch bestimmte Lebensmittel und müsse durch basische Kost ausgeglichen werden.

Was belegt ist

Der pH-Wert des Blutes wird sehr eng zwischen etwa 7,35 und 7,45 reguliert — über Atmung und Nieren. Ernährung verändert ihn beim Gesunden nicht. Was sich messbar ändert, ist der pH-Wert des Harns. Eine ernährungsbedingte Übersäuerung des Körpers ist als Krankheitsbild nicht belegt.

Was dagegen spricht

Trotzdem stimmen die praktischen Empfehlungen weitgehend: Wer viel Gemüse, Obst und Kräuter isst und weniger stark verarbeitete Erzeugnisse, ernährt sich besser. Die Empfehlung ist brauchbar, die Begründung trägt nicht. Das ist ein Fall von richtigem Ergebnis aus falschem Modell.

Praktisch

Wer sich nach diesem Muster ernährt, macht wenig falsch. Problematisch wird es bei teuren Basenpulvern, bei langen Fastenkuren ohne Begleitung und wenn ernsthafte Beschwerden damit statt ärztlich abgeklärt werden.

Reizdarm und FODMAP

gut belegt
Worum es geht

Bei Reizdarmsyndrom lösen bestimmte fermentierbare Kohlenhydrate Beschwerden aus.

Was belegt ist

Eine zeitweise FODMAP-arme Ernährung lindert bei einem Teil der Betroffenen die Beschwerden. Das Verfahren ist gut untersucht und wird in Leitlinien genannt.

Was dagegen spricht

Hier entsteht ein echter Konflikt: Hülsenfrüchte, Weizen, Zwiebel und Knoblauch sind FODMAP-reich — und zugleich Grundpfeiler pflanzlicher Ernährung. Wer beides zusammenbringen will, hat es deutlich schwerer.

Praktisch

Die Auslassphase ist zeitlich begrenzt gedacht, danach wird schrittweise wieder eingeführt. Ohne Begleitung besteht das Risiko einer dauerhaft zu engen Ernährung. Das gehört in diätologische Hände — nicht in Eigenregie über Internetlisten.

Nierenerkrankung

ärztlich begleiten
Worum es geht

Bei eingeschränkter Nierenfunktion müssen Protein, Kalium und Phosphat im Blick bleiben.

Was belegt ist

Es gibt Hinweise, dass pflanzliches Protein die Nieren weniger belastet als tierisches, und dass Phosphat aus pflanzlichen Quellen schlechter aufgenommen wird — was hier von Vorteil ist.

Was dagegen spricht

Gleichzeitig sind viele pflanzliche Lebensmittel kaliumreich — Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Nüsse, Trockenobst, Bananen. Bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz kann zu viel Kalium gefährlich werden.

Praktisch

Das ist der Bereich, in dem allgemeine Empfehlungen am wenigsten taugen. Die Ernährung richtet sich nach Stadium und Laborwerten und gehört diätologisch begleitet.

Zucker und Süßungsmittel

gut belegt
Worum es geht

Freier Zucker liefert Energie ohne Nährstoffe und ist an Übergewicht und Karies beteiligt.

Was belegt ist

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, freien Zucker auf unter zehn Prozent der Energiezufuhr zu begrenzen, besser unter fünf. Freier Zucker umfasst auch Honig, Sirupe und Fruchtsaftkonzentrate.

Was dagegen spricht

Agavendicksaft, Kokosblütenzucker und Ahornsirup sind nicht relevant besser als Haushaltszucker. Sie werden oft als gesunde Alternative vermarktet — ernährungsphysiologisch ist der Unterschied gering. Agavendicksaft hat sogar einen besonders hohen Fruktoseanteil.

Praktisch

Der wirksamste Hebel ist die Gesamtmenge, nicht die Auswahl des Süßungsmittels. Bei Obst gilt das nicht in gleicher Weise: Der Zucker steckt in einer Matrix aus Ballaststoffen und Wasser, das wirkt anders als Saft oder Sirup.

Wie eingestuft wird

Das Verfahren dahinter ist unter Aussagen prüfen beschrieben — mit Übungsteil.

Gut belegt heißt: mehrere unabhängige Untersuchungen mit ausreichender Größe kommen zu übereinstimmenden Ergebnissen, und Fachgesellschaften nennen es in Leitlinien.

Schwach belegt heißt: das zugrundeliegende Modell ist nicht bestätigt, auch wenn die abgeleiteten Empfehlungen aus anderen Gründen sinnvoll sein können. Die basische Ernährung ist dafür das deutlichste Beispiel.

Ärztlich begleiten heißt: die richtige Empfehlung hängt so stark von Laborwerten und Krankheitsstadium ab, dass allgemeine Aussagen mehr schaden als nutzen.

Weiterlesen

Nährstoffbegriffe im Glossar, Quellen und Leitlinien im Publikationsverzeichnis, Der Aufbau einer pflanzlichen Ernährung im Schichtmodell, Einwände und ihre Einordnung unter Sätze, die immer kommen.